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06.03.2019

Lösung gegen das Töten von männlichen Küken

**Bruderhahn – Eier ohne Kükentöten**

Der Markt ist in Bewegung

(BZfE) – Weltweit werden fast ausschließlich Hühner gezüchtet, die
entweder Eier legen oder Fleisch ansetzen. Die zwei speziellen Zuchtlinien
haben das Ziel, möglichst „produktiv“ zu sein. Die Konsequenz:
Jährlich werden nach Angaben des Bundesministeriums für Ernährung und
Landwirtschaft (BMEL) hierzulande rund 45 Millionen männliche Küken
getötet, die von Legehennen-Rassen stammen. Männliche Hühner legen nun
mal keine Eier.

Damit nicht genug, sie setzen beim Mästen auch nicht genug Fleisch an.
Für Masthähnchen gibt es andere Spezialrassen. Aufgrund der hohen Kosten
werden die männlichen Küken, die sogenannten Bruderhähne, deshalb in der
Regel nicht aufgezogen. Aber es gibt Auswege aus diesem ethischen Dilemma:
Betriebe können die Bruderhähne der Legehennen trotz unwirtschaftlicher
Bedingungen dennoch aufziehen. Dafür werden die Eier der „Schwestern“
dann für ein paar Cent teurer verkauft. Das deckt zwar bei Weitem nicht
die Kosten, weshalb dieses Prinzip auch bisher nur für weniger als fünf
Prozent der Bruderhähne zutrifft. Eine große deutsche Handelskette hat
solche Eier aber bereits seit längerem im Sortiment, ebenso einige
Biomärkte, die die Eier von Ökobetrieben aus der Region beziehen.

Eine weitere Möglichkeit bietet die vom BMEL geförderte Entwicklung eines
minimal invasiven Verfahrens, das die Geschlechtsbestimmung bereits im
Brut-Ei ermöglicht: Ohne das Innere des Eis zu berühren oder zu verletzen
wird durch ein nadelspitzen-winziges Loch in der Schale über den Nachweis
eines geschlechts-spezifischen Hormons das Geschlecht der Küken
festgestellt. Bei einem Ei, das daraufhin nicht ausgebrütet wird, muss
später auch kein Küken getötet werden. Ab 2020 soll den ersten
Brütereien das Verfahren zur Nutzung angeboten werden.

Der Königsweg dürfte langfristig die Züchtung von Zweinutzungshühnern
sein. Das sind Hühner, die sowohl Eier legen können als auch Fleisch
ansetzen. Solche Hühner gab es vor 50 Jahren auf jedem Bauernhof.
Allerdings wäre heute niemand mehr mit der Legeleistung dieser
Hühnerrassen zufrieden. Fachleute sehen daher noch viele Jahre Züchtung
vor uns, um die angestrebten Zuchtziele zu erreichen.

Bis dahin haben Verbraucher die Möglichkeit, Bruderhahn-Eier zu kaufen;
das Angebot ist da, wenn auch noch nicht überall.

Rüdiger Lobitz