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23.08.2018

Kennen Sie den Hoeneß-Effekt?

Der Hoeneß-Effekt: Wie der Fiskus von prominenten Steuersündern profitiert

Medienberichte über Steuerdelikte berühmter Persönlichkeiten inspirieren gewöhnliche Steuerzahler zu mehr Ehrlichkeit. Die Finanzämter registrieren deutlich mehr Selbstanzeigen, wenn sich Promis wie Uli Hoeneß, Nadja Auermann oder Thomas Middelhoff vor Gericht wegen Steuerhinterziehung verantworten müssen. Eine Studie der Hamburg Media School (HMS) und der Universität Hamburg liefert erstmals wissenschaftliche Belege für diesen sogenannten Hoeneß-Effekt.

Hamburg, 14. August 2018. Laut der Studie: „Cautionary Tales – Celebrities, the News Media, and Participation in Tax Amnesties“ ist die Berichterstattung über Gerichtsprozesse prominenter Steuersünder von entscheidender Bedeutung für die Anzahl der Selbstanzeigen insgesamt. Für die Untersuchung haben der Forscher, Dr. Marcel Garz von der Hamburg Media School und die Forscherin Verena Pagels von der Universität Hamburg, die Berichterstattung über prominente Steuersünder in 60 deutschen Tageszeitungen seit 2010 ausgewertet.

„Es hat uns sehr überrascht, wie stark der Zusammenhang zwischen dem Umfang dieser Berichterstattung und der Anzahl der Selbstanzeigen ist. Der sogenannte Hoeneß-Effekt lässt sich regelmäßig auch bei anderen prominenten Fällen von Steuerhinterziehung messen, sofern die Öffentlichkeit zum Zeitpunkt der Prozesseröffnung oder Urteilsverkündung nicht durch andere Ereignisse abgelenkt ist“, erläutert Dr. Marcel Garz, Leiter der Media Bias Forschungsgruppe an der HMS. Das Besondere an der Studie ist, dass sie nicht nur den statistischen Zusammenhang von Berichterstattung und Selbstanzeigen aufdeckt, sondern klare Aussagen zur Kausalität ermöglicht. Dazu erläutert Garz: „Wir sind durch eine sogenannte Instrumenten-Variablen-Schätzung sehr sicher, dass es tatsächlich die Berichterstattung ist, die Steuerhinterzieher zum Umdenken bewegt. Berichten Medien nicht oder nur wenig über prominente Steuerhinterzieher, weil ihre Aufmerksamkeit und Ressourcen durch zeitgleich stattfindende Geschehnisse gebunden ist – sie also mehr über eine Naturkatastrophe oder einen Terroranschlag berichten – steigt die Zahl der Selbstanzeigen nicht an.“

Das Ausmaß der Beeinflussung ist erheblich. Vergleicht man Quartale ohne Berichterstattung über prominente Steuersünder mit der durchschnittlich gemessenen Berichterstattung, lässt sich ein Anstieg der Selbstanzeigen von rund 32% feststellen. „Unsere Studie verdeutlicht, dass Prominente und Medien eine wichtige Rolle für die Steuerehrlichkeit der Bürger spielen“, so Garz. „Für den Fiskus lohnt es sich, wenn Prominente vor Gericht zur Rechenschaft gezogen werden. Dies darf jedoch nicht dazu führen, dass Staatsanwälte und Richter berühmte Persönlichkeiten strenger verfolgen und bestrafen als gewöhnliche Steuerhinterzieher.“