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09.07.2018

Wer hören will, soll hören - Gehörlose lernen hören durch Innenohrimplantat

Hörrehabilitation durch Innenohrprothese:

Weißbuch der DGHNO-KHC setzt Behandlungs- und Qualitätsstandards für die Versorgung mit Cochlea-Implantaten

Bonn – Jährlich erhalten etwa 4.000 hochgradig schwerhörige, ertaubte Menschen und gehörlos geborene Kinder ihr Hörvermögen zurück – dank des Einsatzes einer elektronischen Innenohrprothese, dem sogenannten Cochlea-Implantat. Die Behandlung ist ein komplexer, interdisziplinärer Prozess. Um dessen Qualität langfristig zu sichern und so für Betroffene optimale Behandlungserfolge zu erzielen, hat die Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie (DGHNO-KHC) das Weißbuch „Cochlea-Implantat(CI)-Versorgung in Deutschland“ erstellt, ebenso wie die erste Fassung eines nationalen Cochlea-Implantat-Registers.

Seit mehreren Jahrzehnten gelingt es, hochgradig schwerhörigen Menschen und Ertaubten mithilfe von Cochlea-Implantaten das Hören zu ermöglichen. Das CI ist eine elektronische Innenohrprothese, die Schall in elektrische Impulse umwandelt, durch die der Hörnerv in der Hörschnecke stimuliert wird. So können Sprache und Töne (wieder) wahrgenommen werden. „Durch diese bahnbrechende Methode gelingt in der Regel nicht nur die (Wieder‑)Herstellung des Hörvermögens, sondern auch die Rehabilitation in die ‘hörende Welt‘, denn Hörbeeinträchtigungen bedeuten immer auch soziale Isolation“, erklärt Professor Dr. med. Stefan Dazert, Präsident der DGHNO-KHC, der am Weißbuch federführend mitgewirkt hat.

Der Erfolg der Versorgung mit einem CI beruht neben der operativen Implantation der elektronischen Innenohrprothese vor allem auch auf einer Hör-Sprach-Therapie, der audiologisch-technischen Betreuung sowie einer lebenslangen medizinischen Nachsorge. „Das komplexe interdisziplinäre Zusammenspiel verschiedener hochspezialisierter Disziplinen ist von großer Bedeutung für eine erfolgreiche Versorgung mit einem CI. Es wird von der Klink für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, die den Patienten versorgt, koordiniert“, betont Professor Dazert. „Hierfür brauchen wir einheitliche Standards, um etwaigen Risiken entgegenzuwirken. Wenn betroffene Kinder beispielsweise keine umfassende Hör-Sprach-Therapie erhalten, kann ihre Sprachentwicklung gefährdet sein.“

Die DGHNO-KHC hat daher die Initiative ergriffen, um den hochkomplexen Versorgungs- und Behandlungsprozess zu analysieren, zu strukturieren und gleichzeitig einheitliche Empfehlungen auszusprechen. Diese wurden in dem Weißbuch „Cochlea-Implantat(CI)-Versorgung in Deutschland“ im April 2018 veröffentlicht. Das Weißbuch stellt damit die Grundlage einer zukünftig geplanten Zertifizierung des Behandlungsprozesses unter Leitung der HNO-Fachgesellschaft dar. „Unser Ziel ist die Etablierung und Qualitätssicherung eines national einheitlichen Behandlungsstandards für alle Patienten“, so Professor Dazert.

Parallel zur Erarbeitung des Weißbuchs hat die DGHNO-KHC auch die inhaltliche Struktur eines nationalen wissenschaftlichen Cochlea-Implantat-Registers entwickelt und veröffentlicht. Dieses wird zukünftig durch die HNO-Fachgesellschaft wissenschaftlich begleitet. „Ziel des Registers ist die anonyme Erhebung von qualitätsrelevanten Informationen, um erstmals eine deutschlandweite, umfassende Datenlage zur Versorgungsstruktur und -qualität zu schaffen“, erläutert Professor Dazert. „Damit legen wir das wissenschaftliche Fundament für die zukünftige Entwicklung der Versorgung von Menschen mit implantierbaren Hörsystemen in Deutschland.“

Sowohl die Entwicklung des CI-Weißbuchs als auch des CI-Registers stellen aus Sicht der DGHNO-KHC herausragende Meilensteine in der langfristig wissenschaftlich geführten Qualitätssicherung hochkomplexer, interdisziplinärer medizinischer Maßnahmen dar. Diese einzigartige Initiative belege das hohe wissenschaftliche und klinische Innovationspotential des Fachs Hals-Nasen-Ohrenheilkunde und sei damit nicht zuletzt auch wegweisend für andere Fachdisziplinen der Medizin.