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21.03.2018

Sonnenschutzmittel allein können Hautkrebs nicht verhindern

Sonnenschutzmittel allein können Hautkrebs nicht verhindern

fzm, Stuttgart, März 2018 – In den Winter- und Osterferien zieht es viele von uns in wärmere Gefilde. Sonnenhungrige laufen dann oft Gefahr, es mit dem Sonnenbad zu übertreiben. Ein Experte in der Fachzeitschrift „Aktuelle Dermatologie“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2018) rät, sich nicht allein auf Sonnenschutzmittel zu verlassen, um sich vor Sonnenbrand und Hautkrebs zu schützen.

In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 220.000 Menschen an weißem und etwa 22.000 Menschen an schwarzem Hautkrebs. Die beiden Formen des weißen Hautkrebses, Basaliom und Spinaliom, führen selten zum Tod. Der schwarze Hautkrebs, das maligne Melanom, ist jedoch immer tödlich, wenn er nicht rechtzeitig erkannt und entfernt wird.

Die Risiken sind der Bevölkerung bekannt, und viele wenden in den Sommermonaten Sonnenschutzmittel an. Die heute eingesetzten Lichtschutzfaktoren sind in der Lage, die Entwicklung von Spinaliomen zu verhindern, berichtet Professor Jürgen Lademann, Leiter des Centers of Experimental and Applied Cutaneous Physiology an der Berliner Charité. Bei regelmäßiger Anwendung von Sonnenschutzmitteln kann es sogar zur Rückbildung der aktinischen Keratose kommen. Die aktinische Keratose ist eine nicht abheilende Rötung der Haut mit einer rauen Oberfläche. Sie tritt meist an typischen Sonnenlicht-exponierten Hautarealen, etwa im Nacken oder Gesicht, auf. Diese präventive Wirkung ist medizinisch von großer Bedeutung, schreibt Professor Lademann, da sich die meisten Spinaliome infolge einer aktinischen Keratose bilden.

Das Spinaliom hat jedoch nur einen Anteil von etwa 20 Prozent unter den verschiedenen Formen des weißen Hautkrebses. Ob Lichtschutzfaktoren auch vor Basaliomen schützen, auf die die übrigen 80 Prozent entfallen, konnte laut Professor Lademann bisher in Studien nicht eindeutig nachgewiesen werden.

Noch unklarer und widersprüchlicher ist die Studienlage beim gefährlichen schwarzen Hautkrebs. Melanome entwickeln sich meist aus einem Muttermal. Bei den zunächst gutartigen Muttermalen handelt es sich um eine Anhäufung und Vermehrung von pigmentbildenden Zellen wie Melanozyten und Naevuszellen. Dermatologen sprechen daher auch von einem Pigmentnaevus oder melanozytären Naevus. Diese Naevi entstehen in der Kindheit und ihre Bildung wird durch UV-Strahlen mitbegünstigt. Dazu müssen sich die Kinder nicht lange in der Sonne aufhalten und sie müssen auch keine Sonnenbrände erlitten haben. Bereits eine moderate Sonnenexposition ohne Sonnenbrand kann die Entwicklung melanozytärer Naevi auslösen, berichtet Professor Lademann.

Ob Lichtschutzfaktoren die Bildung von Muttermalen verhindern können, ist unklar. In einer Untersuchung an Kindergartenkindern in Deutschland fiel auf, dass weder die Verwendung von Sonnenschutzmitteln, noch die häufigere oder ausgedehntere Anwendung, eine relevante Schutzwirkung erzielten, berichtet Professor Lademann. Auch die Höhe des Lichtschutzfaktors scheint unerheblich. Kinder, deren Haut durch lange Ärmel und lange Hosen bedeckt war, entwickelten dagegen deutlich weniger melanozytäre Naevi.
Experten einer Studie aus Kanada kommen hingegen zu dem Schluss, dass die Anwendung von Lichtschutzfaktoren die Bildung melanozytärer Naevi verhindert. Besonders auffällig sei dies bei Kindern mit Sommersprossen. Hier konnte die Zahl der melanozytären Naevi um 30 bis 40 Prozent gesenkt werden.

Ein Grund für die unterschiedlichen Studienergebnisse könnte sein, dass Sonnenschutzmittel nicht richtig und konsequent angewendet werden. Damit sie schützen, müssen sie 30 Minuten vor der Sonnenexposition aufgetragen und nach jedem Badegang erneuert werden.

Der beste Sonnenschutz ist aus Sicht des Experten ein kombinierter: Zwischen 10 und 14 Uhr die Sonne meiden, sich auch sonst bevorzugt im Schatten aufhalten und neben der Sonnenschutzcreme auf einen textilen Sonnenschutz achten. Besonders wichtig sei dies für kleine Kinder, da melanozytäre Naevi der größte Risikofaktor für Hautkrebs im späteren Alter sind.


J. Lademann et al.:
Hautkrebsprävention und Sonnenschutzcreme: ein Update.
Aktuelle Dermatologie 2018; 44 (1/2); S. 49–52